von Johannes Späth
Veröffentlich: 18. März 2020 (vor 2 Jahren )

Sie kommt mit dickem Wollschal und leuchtend roter Nase in die Kirche: „Guten Morgen!“, hustet sie mir mit belegter Stimme entgegen. „Geben Sie mir besser nicht die Hand – Infektionsgefahr!“ Virenalarm! Trotz Grippeschutzimpfung ist Sicherheitsabstand angesagt. Wer will sich schon anstecken lassen?
November bis März – aus einigen Kirchenbänken flankieren Huster den Gesang. Andere Besucher haben sich mit Halsbonbons die Stimme vorsorglich freigeschaltet. „Hand vor den Mund!“, mahnt ein Vater zischend als der Sohnemann lauthals niest „Nein, das muss in die Armbeuge“ korrigiert die Mutter. Hoffentlich heißt es am Montagmorgen bei keinem der jetzt noch Gesunden: „Ich hab´ mich beim Gottesdienst angesteckt!“, geht mir durch den Kopf.
Und in dem Moment kommt ein zweiter Gedanke: Wenn das doch umgekehrt ginge! Wenn man sich andersrum anstecken könnte. Wenn man hier ansteckend gesunden Menschen begegnen könnte! „Geben Sie mir ruhig die Hand. Ich bin ansteckend gesund!“
Und gleich fallen mir ein paar Gesichter ein: Die sehr alte Frau, die soviel Zufriedenheit ausstrahlt, dass man in ihrer Nähe auch das eigene Leben in einem neuen Licht sieht. Ein Mitarbeiter, der eigentlich immer ansteckend gut gelaunt ist. Eine Familie, die ihren Glauben so selbstverständlich lebt, dass man nach einem Besuch richtig inspiriert nach Hause geht.
Ob die alle auch medizinisch gesund sind, wollen Sie wissen? Da müssen Sie den Arzt oder Apotheker fragen. Als Pfarrer kann ich nur die Diagnose stellen: Deren Leben ist heil. Und das ist mehr als körperliche Gesundheit.
Übrigens haben sich alle Genannten tatsächlich im Gottesdienst angesteckt. Tröpfcheninfektion bei der Taufe, Kontaktinfektion durch eigenen Glauben, Übertragung an dem Ort, wo der Gesundheitserreger besonders auftaucht: in der Gemeinde. Und plötzlich war ihr Immunsystem gegen einen fröhlichen Glauben außer Kraft gesetzt. Und jetzt sind sie eben ansteckend gesund.
Das ist Gottes Ziel mit jedem Gottesdienst. „Siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“, so öffnet er auch diesen Sonntag seine Praxistüren: auf dass sich Glaube, Liebe und Hoffnung wie eine Gesundheitsepidemie ausbreiten. Den Kontakt müssen wir schon selbst suchen. Ich jedenfalls wäre gerne ansteckend gesund. Und welche Ansteckungsgefahr geht von Ihnen aus?

Glaube als Gesundheitserreger
Sie kommt mit dickem Wollschal und leuchtend roter Nase in die Kirche: „Guten Morgen!“, hustet sie mir mit belegter Stimme entgegen. „Geben Sie mir besser nicht die Hand – Infektionsgefahr!“ Virenalarm! Trotz Grippeschutzimpfung ist Sicherheitsabstand angesagt. Wer will sich schon anstecken lassen?
November bis März – aus einigen Kirchenbänken flankieren Huster den Gesang. Andere Besucher haben sich mit Halsbonbons die Stimme vorsorglich freigeschaltet. „Hand vor den Mund!“, mahnt ein Vater zischend als der Sohnemann lauthals niest „Nein, das muss in die Armbeuge“ korrigiert die Mutter. Hoffentlich heißt es am Montagmorgen bei keinem der jetzt noch Gesunden: „Ich hab´ mich beim Gottesdienst angesteckt!“, geht mir durch den Kopf.
Und in dem Moment kommt ein zweiter Gedanke: Wenn das doch umgekehrt ginge! Wenn man sich andersrum anstecken könnte. Wenn man hier ansteckend gesunden Menschen begegnen könnte! „Geben Sie mir ruhig die Hand. Ich bin ansteckend gesund!“
Und gleich fallen mir ein paar Gesichter ein: Die sehr alte Frau, die soviel Zufriedenheit ausstrahlt, dass man in ihrer Nähe auch das eigene Leben in einem neuen Licht sieht. Ein Mitarbeiter, der eigentlich immer ansteckend gut gelaunt ist. Eine Familie, die ihren Glauben so selbstverständlich lebt, dass man nach einem Besuch richtig inspiriert nach Hause geht.
Ob die alle auch medizinisch gesund sind, wollen Sie wissen? Da müssen Sie den Arzt oder Apotheker fragen. Als Pfarrer kann ich nur die Diagnose stellen: Deren Leben ist heil. Und das ist mehr als körperliche Gesundheit.
Übrigens haben sich alle Genannten tatsächlich im Gottesdienst angesteckt. Tröpfcheninfektion bei der Taufe, Kontaktinfektion durch eigenen Glauben, Übertragung an dem Ort, wo der Gesundheitserreger besonders auftaucht: in der Gemeinde. Und plötzlich war ihr Immunsystem gegen einen fröhlichen Glauben außer Kraft gesetzt. Und jetzt sind sie eben ansteckend gesund.
Das ist Gottes Ziel mit jedem Gottesdienst. „Siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“, so öffnet er auch diesen Sonntag seine Praxistüren: auf dass sich Glaube, Liebe und Hoffnung wie eine Gesundheitsepidemie ausbreiten. Den Kontakt müssen wir schon selbst suchen. Ich jedenfalls wäre gerne ansteckend gesund. Und welche Ansteckungsgefahr geht von Ihnen aus?