von Diakon Sebastian Schäfer
Veröffentlich: 15. April 2022 (vor 2 Monaten )
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Zur Johannespassion und der Aufführung in Gaimersheim am 10. April 2022

Die Uraufführung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach fand am 7. April 1724 im Vespergottesdienst am Karfreitagnachmittag in der Nikolaikirche Leipzig statt. Im Gegensatz zur Matthäuspassion und fast allen anderen großen Passionsoratorien erzählt die Johannespassion nicht nur die Geschichte von Christi Leiden, Sterben und Tod, sondern auch vom Sieg über den Tod durch Christi Auferstehung.

Bach leitet seine Komposition mit einer sog. „Trinität“ des Orchesters ein, einem starken pulsierenden Orgelpunkt (Gott Vater), dazu die Holzbläser und Flöten, dissonant, gemischt wie in einem Kreuzweg (der leidende Christus) und die Streicher gleichsam in Flügelschlägen sich bewegend (Heiliger Geist). Dann der fanfarenartige Einsatz des Chores: Im Zentrum ein siegreicher Christus, „Herr unser Herrscher, dessen Ruhm in allen Landen herrlich ist“! Ein Christus, der Pilatus Paroli bietet, ganz anders als in der Matthäuspassion. Dies entspricht dem Christus des Johannesevangeliums: Es muss vollendet werden, ich bin gesandt worden, um die Menschheit zu erlösen, und ich gehe ans Kreuz.

Der Evangelist als wesentliche Gestalt führt durch die Passion, Choräle begleiten den Originaltext, stark betont und hervorgehoben durch anspruchsvolle Turba-Chöre und verziert mit wunderschönen Arien. Die Choräle als Gebete in musikalischer Form, Kirchenlieder, im Gottesdienst einstimmig der Gemeinde zugeordnet, haben bei Bach in ihrer Mehrstimmigkeit in jeder Einzelstimme eine eigene Aussage. Der am stärksten berührende Moment dieser Passion passiert im Übergang vom Schlusschor „Ruht wohl“ in den Choral „Ach Herr, lass dein lieb´ Engelein“. Da schließt sich der Bogen von der Siegesgewissheit des Eingangschores zum zweiten Teil des Schlusschorals „Alsdann vom Tod erwecke mich…“. Es ist die Hoffnung, dem Heiland selber begegnen zu dürfen, als Ausdruck christlichen Glaubens überhaupt.

Die musikalisch stark gekürzte Aufführungsform lässt alle Arien weg, der Originaltext des Evangelisten wird gelesen, und die Turba-Chöre werden vom Chor als Sprechgesang vorgetragen, basierend auf dem Versmaß des Originals.

Diese Fassung soll dazu dienen, die großen Werke sakraler Tonkunst in zeitgemäß vertretbarer Form wenigstens teilweise aus den Konzertsälen in die Gottesdienstgemeinden zurückzuholen, damit sie an dem Ort wieder stattfinden, für den sie ursprünglich geschaffen sind. Der Text des Evangeliums entspricht dem Original nach Johannes Kapitel 18 und 19 in der Übersetzung von Dr. Martin Luther und wird vom Evangelisten in den Rezitativen sprechend vorgetragen.

Die Chöre und Choräle entsprechen dem Originalwerk.